Mittwoch, 26. April 2017

Selbstmitgefühl und Selbstfürsorge in der Elternschaft

Wenn wir Mitgefühl für unsere Kinder haben möchten und liebevoll für sie sorgen wollen, müssen wir dies als erstes für uns selbst schaffen. Das ist weder egoistisch oder egozentrisch, noch Zeitverschwendung oder überflüssig. Je mehr wir unser Herz für uns selber öffnen, Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse anerkennen, desto mehr Raum und Offenheit ist in unserem Herzen für andere. Mitgefühl für das eigene Erleben von Wut, Stress oder Angst - sei sie nun begründet oder eigentlich völlig irrational - öffnet den Raum für andere. Oft verschließen wir unser Herz (unbewusst, aus erlernter Angst oder Anpassung), gehen über unsere eignen Grenzen und Möglichkeiten hinaus, überfordern uns und versuchen nur irgendwie zu funktionieren. Und dann funktioniert nur noch sehr wenig und wir sind frustriert. Damit schaffen wir neues Leid bei uns selbst und beim anderen. 
 

 
Selbstmitgefühl bedeutet für mich, sein eigener bester Freund zu sein, mit sich selbst freundlich und nachsichtig sein, sich selbst wichtig nehmen und wertschätzend mit Gefühlen und dem Körper umgehen. Selbstmitgefühl fragt immer: Was brauche ich jetzt? Wie geht es mir eigentlich? Was kann ich tun, damit mein innerstes Bedürfnis erfüllt wird?

Manchmal haben wir sehr stressige Momente oder Zeiten, in denen wir einfach aushalten müssen, wir können dem Bedürfnis nicht nachgehen (z.B. Schlaf, Ruhe, Essen). Auch dann können wir Selbstmitgefühl üben, indem wir uns selbst gut zureden und Verständnis zeigen in einem inneren Dialog, wie z.B. "das ist gerade sehr anstrengend für mich, ich brauche eine Pause, die ich mir nachher unbedingt nehmen möchte, das tut mir gerade sehr weh, ich bräuchte eigentlich eine Umarmung oder Schulter zum Ausweinen" usw. Dieser innere Dialog ist äußerst heilsam und viel produktiver als ein "reiß dich mal zusammen" oder "wieso muss ich das alles alleine machen" etc.

Das Gehirn schüttet bei Selbstmitgefühl wissenschaftlich erwiesen Hormone aus (Oxytozin), die uns beruhigen und uns das Gefühl von Verbundenheit und Trost geben. Das Gehirn kann nicht unterscheiden, ob die Worte von einem verständnisvollen Freund kommen oder von uns selbst! Diesen "Trick" sollten wir kennen und nutzen.

Selbstfürsorge ist dann alles, was wir als Schlussfolgerung aus unserem bewussten Erleben ziehen. Ich brauche mehr Zeit - dann schaffe Freiräume. Ich brauche mehr Gespräch, Liebe, Anerkennung - dann komm in Dialog mit deinem Partner, deiner Familie, deinen Freunden, deinem Arbeitgeber. Ich muss regelmäßiger Essen - dann passe deinen Rhythmus an. Mir ist kalt, ich muss auf Toilette - dann tu etwas dafür und mach erst dann weiter. 
 
Selbstmitgefühl ist völlig natürlich. Jedes Wesen möchte glücklich, gesund und geliebt sein. Wenn wir uns selbst darum sorgen, dann ist das das Beste, was wir für unser Glück und unsere Gesundheit tun können. Und damit auch für unsere Kinder.

Literatur und Hilfestellung bei diesem Thema sind z.B. Bücher von Christopher Germer oder Kristin Neff, und auch das neue Buch von Maren Schneider "Ein Kurs in Selbstmitgefühl" kann ich sehr empfehlen. 




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