Samstag, 1. Februar 2014

Achtsamkeit und "die Jugend von heute" - Teil 1

Ich bin gerade auf einen ganz guten Artikel zum Thema "die Jugend von heute" gestoßen. Gut, weil er ein bisschen das erfasst, was ich oft schwierig finde, wenn Leute den Nutzen und die Wichtigkeit von Achtsamkeit für Kinder und Jugendliche begründen und dabei mit Pauschalisierungen und den immergleichen Argumenten kommen.
Ich bemerke, dass bei der Argumentation häufig von der Schädlichkeit des Internets, von Handys, den Medien usw. gesprochen wird, und davon, dass die Jugendlichen dadurch unkonzentrierter sind oder ständig abgelenkt. Schade finde ich, dass dieses Argument so pauschalisierend und in so einer Dauerschleife benutzt wird. Ich benutze es so gut wie nicht. Es gibt andere Möglichkeiten, die Wirkungsweise und den Nutzen von Achtsamkeitsübungen zu beschreiben, ohne dazu auf den negativen Einfluss von Smartphones oder Facebook zu verweisen. (Oft tun das auch gerade die Menschen, die keine Ahnung von Facebook haben und kein Smartphone benutzen.)
Insbesondere auch dann, wenn man Jugendliche ansprechen möchte, ist es vielleicht nicht gerade sinnvoll, ihre Welt anzugreifen oder schlecht zu machen, und erst recht nicht, wenn man sie nicht kennt und versteht. Hier könnten wir Älteren den Anfängergeist bewahren, Geduld und Vertrauen kultivieren, und darüber ins Gespräch kommen mit den Kids/Teens.

Mein Ziehsohn ist 15 und ja, er ist viel im Netz und hört oft nicht richtig zu. Aber wenn ich dann an meine Jugend denke (vor 20 Jahren), in der es noch kein Internet und Handys gab, weiß ich, wir waren auch alle ständig abgelenkt und unkonzentriert. Es ist einfach eine schräge Zeit dieses Erwachsen werden. Und viele Dinge, die die Erwachsenen uns als wichtig verkaufen wollten, haben uns einfach nicht interessiert.

Bestimmt haben sich bis heute Dinge verändert - das liegt in der Natur der Dinge -, gesamtgesellschaftlich und auch speziell in Klassenräumen und im Familienleben. Der Wandel findet schnell statt, vielleicht schneller als früher. Wirklich durchblicken und wissen, was hier passiert und welche Folgen das hat, werden wir auch erst später, wie immer. Und weil sich alles so schnell wandelt und es dabei noch schwerer als sowieso schon fällt, in Ruhe und bei sich zu sein, finde ich die Achtsamkeit eine so tolle Möglichkeit, der Schnelligkeit einen entschleunigenden Ausgleich entgegenzusetzen, der es ermöglicht, in Kontakt mit sich zu kommen und sich selbst besser kennenzulernen. 
Denn natürlich sehe ich auch die Schwierigkeiten im Umgang mit der Technik - vor allem, weil ich selbst davon betroffen bin, da ich viel über das Internet arbeite und als Freiberuflerin per Handy/Email erreichbar sein möchte usw. Das ist eine unserer gesellschaftlichen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen - und das tun wir ja. Achtsamerweise.

However, das sind meine Gedanken heute morgen. Ich gebe mir zumindest Mühe, nicht nur diese leichtgesagten und von allen Älteren mit Sicherheit abgenickten Argumente zu nutzen, sondern zu schauen: 
Was ist es an der Achtsamkeit, was allen Menschen, egal ob alt oder jung, gut tut? Denn die Praxis ist ja doch etwas Allgemeinmenschliches, in ihr stecken Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte - Chancen, Werkzeuge, Veränderungspotential für jeden.
 
Vielleicht habt ihr Lust, mal zu überlegen, was andere, frische gute Argumente sein können und sie mir schicken/posten, ich mach dann eine Liste für alle? 
 

"Die Jugendlichen kiffen, hängen im Internet ab, haben nur Sex im Kopf und keinen Familiensinn. Der Diplom-Psychologe Mathias Wais zeigt, wie schädlich solche Pauschalurteile sind. Sie verbauen uns den Zugang zur heranwachsenden Generation und hindern uns daran, uns mit den eigentlichen Problemen zu beschäftigen, die oft genug vor allem unsere eigenen sind."

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