Dienstag, 8. April 2014

Freundliche Wünsche senden ...

Als erstes für Dich - Freundliche Wünsche gesendet von Susan Kaiser Greenland an die Leser ihres wunderbaren Buches "Wache Kinder":

Mögen Sie immer Ihren Sinn für Humor bewahren.

Mögen Sie viel Spaß dabei haben, 
mit Kindern Achtsamkeit zu praktizieren.

Mögen Sie den Entdeckungsprozess lieben, der diese Arbeit bestimmt, und sich damit wohlfühlen, nicht alle Antworten zu wissen.

Mögen Sie daran denken, dass es in der Tat ernsthafte Arbeit ist, Kindern dabei zu helfen, sich ihrer selbs und anderer und des Planeten bewusster zu werden.

Das Senden Freundlicher Wünsche ist eine Übung, die von der klassischen Meditation der Liebenden Güte (Metta)  inspiriert und angepasst ist an das Verständnis von Kindern. 

Die Lehrer, Erzieher und Eltern können den Kindern helfen, sich bewusst Menschen, Orten oder Tieren zuzuwenden, die in ihrem Leben bedeutungsvoll sind.

Wie man die Übung für Kinder anleitet:
  • Schaffe eine ruhige, vertrauenvolle, ungestörte Atmosphäre
  • Die Kinder können im Sitzen die Augen zugehen lassen oder sich auf den Boden legen, vielleicht mit einem Kuscheltier im Arm oder auf dem Bauch.
  • Während die Kinder die Augen schließen, bleibe du mit offenen Augen und gehe ggf. zu Kindern, die Schwierigkeiten haben ruhig zu werden und unterstütze sie, während du weiter anleitest.
  • Bitte die Kinder, freundliche Wünsche an sich selbst zu senden, sich vorzustellen, dass sie glücklich sind, Spaß haben, dass sie gesund sind und mit ihrer Familie und ihren Freunden in Sicherheit sind.
  • Als nächstes schlage ihnen vor, dass sie sich einen Freund oder Freundin aus dem Raum aussuchen, und still freundliche Wünsche an diese Person senden.
  • Abschließend ermuntere die Kinder, an jemanden zu denken, der nicht mit im Raum ist. Sie sollen als erstes an ein Familienmitglied oder einen Freund denken, dann an einen Menschen, den sie kennengelernt haben, dann an einen Menschen, den sie noch nicht kennengelernt haben, aber gern kennenlernen würden, dann schließlich sollen sie an alle Lebewesen auf der ganzen weiten Welt denken. 
  • Die Wünsche könnten so klingen: Ich wünsche, dass du glücklich bist, dass du gesund bist und viel Spaß hast. Ich hoffe, dass du in Sicherheit bist und nicht verletzt wirst. Ich wünsche, dass du mit Menschen, die du liebst, in Frieden lebst.
  • Bei kleinen Kindern kann man die Runde abschließen, indem die Kindern noch einmal die guten Wünsche an sich selbst verinnerlichen und still zu sich sagen: Ich möchte glücklich sein, ich möchte gesund und stark sein, ich möchte mich wohl fühlen, ich möchte in Sicherheit sein und in Frieden mit meiner Familie, meinen Freunden, meinen Haustieren und allen, die ich liebe, leben.
  • Ältere Kinder/Teenager können freundliche Wünsche an jemanden schicken, mit dem sie gerade eine schwierige Zeit haben, der sie ärgert oder der sie nervt.




Montag, 17. März 2014

Setz dir eine Intention

In unserem Workshop "Achtsamkeit in der Familie" haben die Eltern bis zum nächsten Treffen in 2 Wochen unter anderem eine Aufgabe bekommen: Sich an eine gesetzte Intention erinnern und schauen, was damit passiert.

Dazu haben wir Wörter und Sätze auf bunte Zettel geschrieben und verdeckt in eine Schale gelegt. Jeder hat einen Zettel gezogen und danach laut vorgelesen.

Darunter waren Intentionen wie:
  • Selbstfürsorge
  • Lächle öfter
  • Geduld mit mir selbst
  • Beobachte dich und dein Kind und frage: Wer ist dieses Wesen?
  • Es gibt immer Gelegenheit neu zu beginnen
  • Nimm Verbundenheit wahr
  • Sei im Hier und Jetzt
Derartig gesetzte Intentionen können kraftvolle Begleiter werden. Wenn wir sie nicht als lapidar genannte "gute Vorsätze" verstehen, sondern uns wirklich jeden Tag bewusst an sie erinnern, können sie eine große Wirkung entwickeln - und seien sie noch so simpel.
Wir werden dadurch bewusster und können so auf Vieles bei uns selbst und in der Welt, in der wir leben, aufmerksam werden. Intentionen können uns helfen, uns mehr um uns selbst zu kümmern und das Gute in unser Herz zu lassen.

Vielleicht möchtest du mitmachen, dir eine der Intentionen aussuchen und sie bewusst in den nächsten zwei Wochen beachten, dich erinnern und schauen, was sich entwickelt?




Freitag, 7. März 2014

Buchtipp: Der achtsame Weg durch Schwangerschaft und Geburt


Ein gutes, neues Buch, das ich allen Schwangeren und werdenden Eltern empfehlen kann. 
Ich bin selbst Achtsamkeitslehrerin und gebe Seminare, Workshops und MBSR-Kurse – für Erwachsene und für Kinder – und ich bin gerade selbst schwanger und bereite mich auf die Geburt vor – u.a. mit diesem wunderbaren Buch. Ich halte das Buch für wertvoll und möchte daher etwas dazu schreiben. 


Für wen ist das Buch geeignet 
Ich finde, es lohnt sich, das Buch zu lesen, egal ob man schon Achtsamkeitsprofi oder noch totaler Frischling auf dem Gebiet ist. Der Einsteiger findet die Grundlagen der Achtsamkeitspraxis ausführlich beschrieben, incl. Übungsanleitungen wie die Atemmeditation & den Bodyscan, und verständlicher Erläuterung bestimmter Prinzipien wie den Anfängergeist, das Nicht-Greifen und Nicht-Werten.
Achtsamkeit ist keine Methode, sondern eine Haltung dem Leben, den Dingen, den anderen und sich selbst gegenüber. Diese einmal verinnerlicht und täglich kultiviert ist eine unschätzbare Bereicherung für jeden Menschen. Insbesondere die Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens werden durch die Praxis der Achtsamkeit zu etwas, dem man begegnen kann, das man handeln und verändern kann. Für werdende Mütter und Väter ist das Buch daher nicht nur für die Zeit vor und während der Geburt sehr nützlich, sondern kann helfen, auch später mit dem Kind weniger Stress zu erleben und mehr Gelassenheit, Ruhe und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben.
Bereits Praktizierende der Achtsamkeit lesen das Buch vielleicht etwas schneller und überspringen mal ein paar Seiten, finden jedoch genügend neue, spezielle Übungen, spannende und berührende Anekdoten, und staunen vielleicht ebenso wie ich, bei welchen Aspekten dieser doch sehr außergewöhnlichen Lebensphase oder Situation der Geburt man überall auf die Praxis zurückgreifen kann.

Inhalte – Übungen, praktische Tipps und biologische Hintergründe 
In dem Buch findet man viele Aspekte rund um die Schwangerschaft und Geburt, die im Licht der Achtsamkeit betrachtet einfach anders aussehen – leichter, handelbarer, natürlicher: Thema Geburtsschmerzen, Thema Stress, Thema Ängste.
Sehr nützlich finde ich dazu spezielle Atemübungen, die auf den Geburtsschmerz vorbereiten, z.B. sich mit Eiswürfeln in den Händen, die irgendwann Schmerzen verursachen, auf den Atem zu konzentrieren. Für alle Situationen und Übungen wird auch der Partner einbezogen, was ich sehr schön finde.
Dazu kommt, dass die Autorin die biologischen Hintergründe so erläutert, dass man genau versteht, warum man z.B. Stress oder Stressgedanken auf dem Weg in die Geburtsklinik wirklich vermeiden sollte: Das Stresshormon Adrenalin bereitet den Körper dann auf eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion vor, die Wehen werden schwächer, die Geburt dauert länger und wird schmerzhafter. Das natürliche Geburtshormon Oxytozin hingegen ist eine wahre Droge, die einen in den Phasen zwischen den Wehen fast high sein lassen kann – es sei denn, man ist in Gedanken nur beim bevorstehenden Schmerz der nächsten Wehen, dann verpasst man seine Entspannungspause und alles ist viel anstrengender. Gut zu wissen, oder? 
Auch für die Zeit nach der Geburt gibt die Autorin gute Tipps und Hinweise (Wochenbett, Stillen, Schlafen.) Selbstfürsorge ist hier ein wichtiges Thema: Sei sanft und freundlich zu dir selbst und schau, was für dich gerade geht und gut ist.

Autorin und Schreibstil
Die Autorin ist Hebamme und Achtsamkeitslehrerin (MBSR nach Jon Kabat-Zinn) und integriert seit langem Achtsamkeit in ihre Geburtsvorbereitungskurse, die sie MBCP nennt. Ihr reicher Erfahrungsschatz und ihre verständnisvoll-mitfühlende Haltung als Hebamme kommen dem Buch gleichermaßen zugute. Dabei schreibt sie leicht verständlich, klar, liebevoll und ermutigend. Sie berichtet immer wieder anschaulich anhand von Beispielen aus ihren MBCP-Kursen wie es anderen ergangen ist und wie und wo ihnen die Achtsamkeitspraxis geholfen hat. Das gesamte Buch ist gut gegliedert, sodass man auch mal hin- und herblättern kann zu den Themen, die einen gerade interessieren. 

Ich empfehle, mit dem Lesen des Buches bereits zu Beginn der Schwangerschaft anzufangen, damit sich die Inhalte auch setzen können und man sie wirklich verinnerlichen und dann auch anwenden kann.
Danke, Nancy, für dieses wertvolle Stück Arbeit, danke an den Verlag, der es nun auch im deutschsprachigen Raum zugänglich gemacht hat. Auf dass viele Frauen und Elternpaare durch die Achtsamkeit eine gute, angenehme und freudvolle Schwangerschaft, Geburt und Zeit mit ihrem Kind erleben mögen. Sarina Hassine

KURSE IN BERLIN
Falls du dich für einen Geburtsvorbereitungskurs mit Achtsamkeit interessierst, empfehle ich dir Clarissa Schwarz / Berlin, Infos findest du hier
Falls du dich für Kurse, Workshops, Einzelberatungen für dich als Elternteil oder für dich und dein Kind interessierst, empfehle ich dir Anne Hackenberger in Berlin/Eberswalde, Infos findest du hier Neue Wege mit Kindern

Das Buch bei Amazon anschauen.





Dienstag, 11. Februar 2014

Arbeitsgruppe "Achtsamkeit und Mitgefühl in Schule und Kita"

Die Berliner Arbeitsgruppe "Achtsamkeit und Mitgefühl in Schule und Kita" trifft sich diese Woche Donnerstag zum 8. Mal. Wir sind gewachsen, vielfältig geblieben und freuen uns über jeden, der gern mitmachen möchte - z.B.Lehrer, Erzieher, Eltern, MBSR- oder Achtsamkeitslehrer...

Diese Woche stellt jeder ein Buch zum Thema vor - für Kinder oder für Erwachsene. (Die Buch-Tipps gibt dann nächste Woche hier.) 


Außerdem gehts um den neu gegründeten Verein AKiJu e.V. (Achtsamkeit mit Kindern und Jugendlichen, zugehörig zum MBSR Verband)
 

Und bestimmt zeigt der ein oder andere auch eine neue Übung, die man mit Kindern oder für sich selbst machen kann.


Mehr Infos & Anmeldung hier www.mindfulnessberlin.de

Samstag, 1. Februar 2014

Achtsamkeit und "die Jugend von heute" - Teil 1

Ich bin gerade auf einen ganz guten Artikel zum Thema "die Jugend von heute" gestoßen. Gut, weil er ein bisschen das erfasst, was ich oft schwierig finde, wenn Leute den Nutzen und die Wichtigkeit von Achtsamkeit für Kinder und Jugendliche begründen und dabei mit Pauschalisierungen und den immergleichen Argumenten kommen.
Ich bemerke, dass bei der Argumentation häufig von der Schädlichkeit des Internets, von Handys, den Medien usw. gesprochen wird, und davon, dass die Jugendlichen dadurch unkonzentrierter sind oder ständig abgelenkt. Schade finde ich, dass dieses Argument so pauschalisierend und in so einer Dauerschleife benutzt wird. Ich benutze es so gut wie nicht. Es gibt andere Möglichkeiten, die Wirkungsweise und den Nutzen von Achtsamkeitsübungen zu beschreiben, ohne dazu auf den negativen Einfluss von Smartphones oder Facebook zu verweisen. (Oft tun das auch gerade die Menschen, die keine Ahnung von Facebook haben und kein Smartphone benutzen.)
Insbesondere auch dann, wenn man Jugendliche ansprechen möchte, ist es vielleicht nicht gerade sinnvoll, ihre Welt anzugreifen oder schlecht zu machen, und erst recht nicht, wenn man sie nicht kennt und versteht. Hier könnten wir Älteren den Anfängergeist bewahren, Geduld und Vertrauen kultivieren, und darüber ins Gespräch kommen mit den Kids/Teens.

Mein Ziehsohn ist 15 und ja, er ist viel im Netz und hört oft nicht richtig zu. Aber wenn ich dann an meine Jugend denke (vor 20 Jahren), in der es noch kein Internet und Handys gab, weiß ich, wir waren auch alle ständig abgelenkt und unkonzentriert. Es ist einfach eine schräge Zeit dieses Erwachsen werden. Und viele Dinge, die die Erwachsenen uns als wichtig verkaufen wollten, haben uns einfach nicht interessiert.

Bestimmt haben sich bis heute Dinge verändert - das liegt in der Natur der Dinge -, gesamtgesellschaftlich und auch speziell in Klassenräumen und im Familienleben. Der Wandel findet schnell statt, vielleicht schneller als früher. Wirklich durchblicken und wissen, was hier passiert und welche Folgen das hat, werden wir auch erst später, wie immer. Und weil sich alles so schnell wandelt und es dabei noch schwerer als sowieso schon fällt, in Ruhe und bei sich zu sein, finde ich die Achtsamkeit eine so tolle Möglichkeit, der Schnelligkeit einen entschleunigenden Ausgleich entgegenzusetzen, der es ermöglicht, in Kontakt mit sich zu kommen und sich selbst besser kennenzulernen. 
Denn natürlich sehe ich auch die Schwierigkeiten im Umgang mit der Technik - vor allem, weil ich selbst davon betroffen bin, da ich viel über das Internet arbeite und als Freiberuflerin per Handy/Email erreichbar sein möchte usw. Das ist eine unserer gesellschaftlichen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen - und das tun wir ja. Achtsamerweise.

However, das sind meine Gedanken heute morgen. Ich gebe mir zumindest Mühe, nicht nur diese leichtgesagten und von allen Älteren mit Sicherheit abgenickten Argumente zu nutzen, sondern zu schauen: 
Was ist es an der Achtsamkeit, was allen Menschen, egal ob alt oder jung, gut tut? Denn die Praxis ist ja doch etwas Allgemeinmenschliches, in ihr stecken Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte - Chancen, Werkzeuge, Veränderungspotential für jeden.
 
Vielleicht habt ihr Lust, mal zu überlegen, was andere, frische gute Argumente sein können und sie mir schicken/posten, ich mach dann eine Liste für alle? 
 

"Die Jugendlichen kiffen, hängen im Internet ab, haben nur Sex im Kopf und keinen Familiensinn. Der Diplom-Psychologe Mathias Wais zeigt, wie schädlich solche Pauschalurteile sind. Sie verbauen uns den Zugang zur heranwachsenden Generation und hindern uns daran, uns mit den eigentlichen Problemen zu beschäftigen, die oft genug vor allem unsere eigenen sind."